Der Pirat(inn)en Gender Fail

080410_piratinnenAnfang März kam das Thema Genderpolitik in Zusammenhang mit der Piratenpartei mal wieder zum Vorschein. Wieder? Weil ob der auffällen Männer/Frauen-Verhältnisse in der Piratenpartei bereits zur Zeit der Bundestagswahl ordentlich diskutiert und diffamiert wurde. Zum Zeitpunkt des Wahlkampfes zur Bundestagswahl sahen sich die Piraten mit allerhand Vorwürfen im Bereich der Genderpolitik konfrontiert, das ging von fehlender Unterstützung in diesen Bereichen bis zu Kritik an vollkommenem Schneiden des ganzen Themenblocks überhaupt.
Das Thema wäre über kurz oder lang wieder aufgekommen, da zur Zeit des Wahlkampfes das Thema selbst nur vor sich hingeschoben wurde (logischerweise, während eines Wahlkampfes hat man Besseres zu tun als inhaltliche Debatten).
Nun kam es auf, da ein weibliches Mitglied der Piratenpartei innerhalb der Piratenpartei eine Gruppe namens “Piratinnen” gründete und eine nicht öffentliche und für Männer gesperrte Mailingliste verlangte. Gleichzeitig mit der Gründung wurde von diesem Mitglied auch eine Pressemitteilung versendet, sodass diese Gründung und damit verbundene Forderungen nicht nur intern Wellen schlagen konnten (und angefangen werden konnte zu diskutieren), sondern auch schon in die Öffentlichkeit gezerrt wurden.

Es gibt, grob überblickt, drei Fronten innerhalb/um die Piratenpartei zum Thema Genderpolitik.

  • Über das Gendern sollten wir schon längst hinaus sein. Seht ihr es denn nicht? Wir leben in einer freien Gesellschaft, in der jeder gleich ist und sein kann, wenn er nur etwas draus macht!
    Die Strukturen der vorangegangenen Genderpolitik führen nicht zu Gleichberechtigung, sondern andersherum sogar zu Diskriminierung von Männern. Frauen werden nicht mehr benachteiligt, sondern krass bevorteilt.
    Wir müssen diese Strukturen endgültig abschaffen und dürfen sie nicht noch weiter in der Zukunft mit uns herum schleifen. Alle sollten gleich sein.
  • Das, was in der Vergangenheit im Bereich der Genderpolitik und Gleichstellungspolitik gemacht wurde, war der Gleichberechtigung wegen nötig. Wir müssen jedoch kurz anhalten und überdenken, ob diese alten Strukturen noch die richtigen Werkzeuge für die heutige Situation darstellen.
    Wir haben nicht mehr die gleiche Situation wir vor 20, 30, 40 Jahren und sollten daher zu neuen Werkzeugen greifen und neue Ideen aufgreifen, um nicht nur Frauengleichberechtigung zu bekommen, sondern auch Männern diese Chance zu geben. Und anderen Minderheiten.
    Viele Werkzeuge der Vergangenheit erweisen sich als störend, so beispielsweise Quotenregelungen in Vorständen, bei Einstellungen.
    Man sollte, wenn Regelungen wirklich nötig sind, beachten, dass jeder Mensch verschieden ist. Die Interessen wie auch Fähigkeiten sind nunmal nicht gleich.
  • Gleichberechtigung ist noch lange nicht erreicht. Warum jetzt stoppen, wenn wir doch so kurz vorm Ziel sind? Und was würde passieren, wenn wir jetzt bestehende Strukturen auflösen; es könnte zum Rückschritt kommen.
    Die Mitgliederverteilung dieses Vereins/Partei/.. zeigt klar, dass keine Gleichverteilung gegeben ist. Hier muss also eingegriffen werden.

Folgend möchte ich noch auf etwas Lesestoff zu diesem Themenkomplex verweisen.
Diskussionen rund um das Thema ‘Piratinnen’
mela.de, burks.de, andipopp.wordpress.com, sfricke.de, orkpiraten.de, blog.bejamin-stoecker.de, aggregat7.ath.cx, taz.de, chmidtlepp.tumblr.com, piratenfrau.net.

Allgemeine Genderdebatte um die Piratenpartei
heise.de, antjeschrupp.com.

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